Ist ein negativer Leitzins möglich?

In Anbetracht der Wirtschaftskrise ließ die amerikanische Notenbank (FED), mittels der bewährten „Taylor- Regel", den optimalen Leitzinssatz für die USA in Abhängigkeit von der Inflation und des niedrigen Wirtschaftswachstums berechnen. Heraus kam ein negativer Leitzins von minus 5% und damit etwas, was Ökonomen bisher für unmöglich hielten.

2 Wirtschaftsexperten, der Harvard- Professor Greg Mankiw und Professor Willem Buiter (London School of Economics), steuern aber gegen dieses alte Dogma und behaupten, dass negative Leitzinsen möglich sind.

Dies würde vereinfacht gesagt bedeuten, dass bei einem Leitzins von minus 5 % die Bank, die sich 100 € leiht nur 95 € zurückzahlen müsste. Dies würde aber auch bedeuten, dass die Menschen, die ihr Geld bei der Bank anlegen mit negativen Renditen rechnen müssen. Dies würde dazu führen, dass die Menschen ihr Geld wieder „unter dem Kopfkissen lagern", wo der Ertrag immerhin bei plus minus Null liegen würde. Damit wäre dieses Geld aber für den Wirtschaftskreislauf verloren und die Konjunktur würde weiter in die Krise rutschen.

Und genau an diesem Punkt setzen Mankiw und Buiter ein. Ihr Vorschlag lautet, dass das Bargeld so unattraktiv gemacht werden müsse, dass die Menschen trotz negativem Gewinn an der Bank anlegen. Zum Beispiel indem der Staat veranlasse, dass jeder Zehnte Geldschein mit der Zeit einfach ungültig wird oder dass Bargeld weniger Wert sei als angelegtes Geld, was zu einem Wechselkurs zwischen diesem Bargeld und dem eingelagertem Geld führen würde.

Dadurch wären die Verluste, die man mit dem Bargeld erleidet höher, als die Verluste bei angelegtem Geld an der Bank und die Menschen würden trotz der Negativzinsen einzahlen.

Auch eine Art Bargeldsteuer sei denkbar. Dabei sollen dann nur Geldscheine gültig sein, die markiert sind, wodurch bestätigt wird, dass der jeweilige Besitzer seine negativen Zinsen bezahlt hat.

Allerdings enthalten diese in der Theorie ganz brauchbar klingenden Ideen in der Praxis erhebliche Umsetzungsschwierigkeiten. Vor allem zur ersten Theorie der Geldentwertung würde kein Verfassungsgericht der Welt jemals zustimmen.

Außerdem müsste man in allen Ländern und Währungen gleichzeitig das Bargeld „abschaffen", damit der gewünschte Effekt eintritt, ansonsten würden die Menschen ihr Geld einfach gegen andere Währungen tauschen.

Zudem würde ein negativer Leitzins bedeuten, dass die Zentralbanken weniger Geld zurückbekommen, als sie verleihen, was eine Subventionierung der Geld leihenden Banken gleichkommen würde, was wiederum die Öffentlichkeit nicht gutheißen würde.

Willi Semmler, Professor an der New School of Research in New York, schlägt dagegen vor, dass das Geld was die Zentralbanken im Endeffekt für die Banken „ausgeben", stattdessen direkt in die Subventionierung von Investitionen oder Haushalten mit niedrigem Einkommen fließen sollte.

So könnte man theoretisch zumindest den Effekt verhindern, über den viele Unternehmen derzeit klagen, nämlich, dass die Banken den niedrigen Leitzins nicht an die Wirtschaft und Unternehmen weiterreichen und stattdessen mit einer rezessiven Zinspolitik wirtschaften.