Leitzins weiterhin niedrig?

Bleibt der Leitzins weiterhin auf seinem niedrigen Niveau von einem Prozent bestehen oder wird sich da demnächst etwas ändern? Diese Frage stellt sich in anbetracht der Tatsache, dass morgen am 3. September 2009 eine neue Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) ansteht.

Wirtschaftsexperten sind der Meinung, dass trotz der Anzeichen für eine wieder einigermaßen stabile Wirtschaft und eine in Schwung kommende Konjunktur, der Leitzins noch eine ganze Weile auf diesem niedrigen Niveau verweilen wird, schon um die günstige Kreditvergabe und damit den Wirtschaftsaufschwung nicht schon im Keim zu ersticken.

Betrachtet man sich den Leitzins seit dem Währungswechsel auf den Euro, so fällt auf, dass der Leitzins noch nie so niedrig lag und vor allem nie lange in solch niedrigen Verhältnissen gehalten wurde.

Seinen niedrigsten Stand hatte der Leitzins am 05.06.2003 mit 2,00 %, nachdem er zuvor kontinuierlich gesunken war. Auf diesem Niveau hielt er sich anderthalb Jahre, bis zur nächsten Leitzinsentscheidung am 06.12.2005, wo er auf 2,25% gehoben wurde. Dies war die längste Periode ohne Änderung des Leitzinses, sonst wurde er in höchstens einjährigen Abständen geändert. Nach dem 06.12.2005 wurden die Leitzinsentscheidungen dann sogar mehrmals jährlich getroffen.

Bis zum 03.07.2008 stieg er dann auf 4,25 % um danach in Anbetracht der beginnenden Finanzkrise wieder zu sinken, in der Hoffnung einen Übergriff der Finanzkrise auf die Realwirtschaft zu verhindern. Am 07.05.2009 erreichte der Leitzins dann sein historisch niedriges Niveau von einem Prozent und hielt dieses auch bei der letzten Entscheidung der EZB am 08.06.2009.

Wieweit dieser Trend bestehen wird, wird sich dann zunächst morgen zeigen, wenn die Verantwortlichen der EZB über den weiteren Verlauf des Leitzinses bestimmen. Wie er sich langfristig auf die Wirtschaft auswirkt, ob er tatsächlich Investoren in der Wirtschaft ermutigt zu handeln und zu investieren oder ob er die gefürchtete Inflation und Deflation hervorbringt, wie Skeptiker behaupten, bleibt abzuwarten.